Kammerorchester Weilheim

Sie sind hier:   Startseite > Unsere Konzerte > Unser aktuelles Programm

Uns Fördern

Das Kammerorchester Weilheim profitiert von jedem Online-Einkauf, der über den folgenden Link getätigt wird:

Bildungsspender hat mit seinen Partnern vereinbart, einen kleinen Prozentsatz jedes Online-Einkaufs  sozialen oder kulturellen Zwecken zuzuführen. Für den Einkäufer ist diese Zuwendung völlig kostenfrei.

Weitere Infos finden Sie über den Erläuterungs-Link im Bildungsspender.

Unser nächstes Konzert

findet am  05.05.2018 in der Stadthalle Weilheim statt. Das Programm steht noch nicht ganz fest, wird aber demnächst an dieser Stelle nachzulesen sein. Freuen Sie sich schon darauf...

19.158 Besucher
24.813 Seitenaufrufe
1,30 Seitenaufrufe/Besucher

Unser aktuelles Programm

Das nächste Konzert wird am 18.11.2017 in der Stadthalle Weilheim stattfinden. Das Kammerorchester Weilheim freut sich, das Programm zu seinem Jubilläumskonzert anlässlich seines 40-jährigen Bestehens bekannt zu geben. Die Hintergrundinformationen stammn wie immer aus der Feder unseres Mitspielers Richard Bittner:

 Franz Schubert (1797 – 1828)

Ouverture im italienischen Stil (C-Dur) , D 591 (1817, Wien)

Um der lästigen Militärpflicht zu entgehen, nahm Schubert das Joch des Lehrerberufs auf sich. Mit Hilfe des Rohrstocks verschaffte er sich Ruhe, um während des Unterrichts komponieren zu können. Mit 20 Jahren, 1817,  gab er diesen ungeliebten Beruf auf und lebte fortan als freier Künstler. Im selben Jahr feierte der nur fünf Jahre ältere Rossini in Wien Triumphe mit zwei Opern. Schubert war fasziniert von dem leich-ten und eleganten Stil seiner Ouvertüren. Angeblich habe er mit Freun-den gewettet, „derlei Ouvertüren binnen kürzester Zeit niederzuschrei-ben“. Es entstanden die spritzig eleganten „Ouvertüren im italienischen Stil“ in D-Dur und C-Dur. Am 1. März 1818 wurde die C-Dur-Ouvertüre im Saal des Hotels „Zum römischen Kaiser“ uraufgeführt. Es war Schuberts erster öffentlicher Auftritt als Komponist. Die Wiener Theaterzeitung lobte die „wunderliebliche Ouvertüre“ mit folgender Charakteristik: „Obwohl das Thema befremdend einfach war, entwickelte sich aus demselben eine Fülle der überraschendsten und angenehmsten Gedanken.“ Hervorzuheben sind der federnd-zündende Rhythmus und die mitreißenden Crescendi.

 

 Robert Schumann (1810 – 1856)

Konzert für Klavier und Orchester in a-Moll, op. 54 (1845, Dresden)

Solist: Detlev Eisinger

Man kann über Schumanns Klavierkonzert keine Besprechung schreiben, ohne gleichzeitig auch seine Gattin Clara einzubeziehen. Dieses Werk ist Ausdruck zweier sich liebender  Menschen, wie er vielleicht einmalig in der Musikgeschichte ist.

Robert verlor seinen Vater, den Zwickauer Buchhändler August Schumann mit 16 Jahren. Seine Mutter Christiane Schumann, selbst musikalisch, erkannte Roberts Musikalität und schickte ihn mit sieben Jahren zum Klavierunterricht. Doch nach dem Abitur sollte er um eines sicheren Berufes willen an der UNI Leipzig Jura studieren. Statt in die Vorlesungen zu gehen, nahm er bei dem Musikalienhändler und Klavierleh-rer Friedrich Wieck Klavierunterricht und bei Musikdirektor Heinrich Dorn musiktheoretischen Unterricht in Kompositionslehre. Wegen einer Versteifung seines rechten Mittelfingers durch übertriebenes Üben musste sich Robert ganz aufs Komponieren verlegen. 

Friedrich Wiecks Töchterchen Clara, geboren 1819 in Leipzig, war ein hochmusikalisches Kind. Natürlich bekam die sechsjährige Tochter vom Vater Klavierunterricht, nachdem sich seine Frau Marianne, eine Konzertpianistin und Sängerin, von ihm getrennt hatte. Clara konnte schon mit neun Jahren im Gewandhaus in Leipzig auftreten. Dorns Theorieunterricht rüstete sie zum Komponieren. Mit der Elfjährigen reiste der Vater nach Dresden, um in Hof- und Adelskreisen Aufnahme zu finden. Clara sollte „von hier aus berühmt werden und einen Namen bekommen.“ Vielen Künstlerpersönlichkeiten wie Paganini, ja sogar Goethe, stellte Wieck sein Wunderkind vor.

Der Klavierschüler Robert spielte im Hause Wieck mit der neun Jahre jüngeren Clara und ihren Brüdern und erzählte Geschichten. Clara himmelte ihn an, und Robert bewunderte sie wegen ihres Klavierspiels. Mit 16 Jahren erwähnte sie im Tagebuch ihren ersten Kuss. Als Clara erwachsen wurde, wurden sie ein Liebespaar, das sich heimlich verlobte. 

Vater Wieck widersetzte sich einer Heirat mit Entschiedenheit, da er den Verlust aller Investitionen in die Karriere seiner Tochter und seinen eigenen Absturz befürchtete. Er verbot jeden Kontakt, sogar das Briefe-schreiben. Doch Liebe macht erfinderisch. Sie wandten sich an ein Appellationsgericht um eine Heiratsbewilligung. 1840 konnte dann das Brautpaar Schumann-Wieck den Bund der Ehe schließen. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor. Drei Jahre nach der Hochzeit war Vater Wieck wieder zur Versöhnung bereit.

1841 komponierte Robert Schumann für seine geliebte Clara eine Phantasie in a-Moll für Klavier und Orchester. Dem Satz liegt nur ein einziges Thema zugrunde. Er gewann es aus ihrem Namen in italienischer Form „Chiara“: C-H-A-A. Auch der Name Schumann steckt darin, wenn man nur die Notennamen zusammensucht: sCHumAnn. Die absteigende Melodie kam auch seiner angeborenen Schwermut entgegen. -- Auf ähnliche Weise widmete Schumann übrigens dem Meister J. S. Bach sechs Orgelfugen mit dem Thema B-A-C-H, wie später auch Max Reger. Da blieb natürlich kein Buchstabe übrig. 

Da Schumann für einen Einzelsatz keinen Verleger fand, komponierte er 1845 zwei weitere Sätze dazu, um dem geforderten klassischen Schema zu entsprechen.

Clara Schumann führte Roberts Klavierkonzert in a-Moll in Dresden erstmals auf und urteilte darüber: „Das Klavier ist aufs feinste mit dem Orchester verwebt.“ Sie war dem Konzert zeitlebens eine unermüdliche Sachwalterin.

Die Ehe dauerte nur 16 Jahre, weil sich Roberts Nervenschwäche und Depression so stark verschlechterten, dass er 1854 nach Halluzinationen einen Suizidversuch unternahm, aber gerettet wurde und in eine psychiatrische Anstalt aufgenommen wurde, wo er zwei Jahre später verstarb. Er hinterließ ein gewaltiges Werk von etwa 160 Opuszahlen.

Clara war in der Ehe gezwungen, trotz der Kinder für den Familienunterhalt durch zahlreiche Konzerte Geld zu verdienen. Nach Roberts Tod  verteilte sie ihre Kinder auf Verwandte und Erziehungsinstitute, um auf Konzertreisen zu gehen. Neben Inlandskonzerten unternahm sie 64 Auslandsreisen in neun Länder, wobei sie stets Werke von Robert mit in ihr Programm aufnahm. Sie arbeitete auch an einer Ausgabe seiner Klavierwerke.

1891 gab sie ihr letztes Konzert und 1896 verstarb sie im Alter von 76 Jahren. Sie wurde bei ihrem Mann Robert in Bonn bestattet.           

Zum Übergang zu Beethoven eine kleine Episode: Robert Schumann besuchte in Wien Beethovens letzte Ruhestätte auf dem Währinger Friedhof. Auf dem Grabe fand er eine Stahlschreibfeder, wie sie damals gerade den Gänsekiel ablösten. Er nahm sie mit heiliger Rührung, um mit ihr die Partitur seiner ersten Symphonie zu schreiben.

 

Als Solist des Abends freuen wir uns auf Detlev Eisinger

Detlev Eisinger

Geboren in München, begann er als 7-jähriger, Klavier zu spielen und gab bereits mit 13 Jahren seinen ersten Klavierabend und Konzerte mit Orchester.

Er studierte bei Walter Krafft (aus der Schule Dinu Lipattis), später an der Hochschule für Musik in Münchenbei Prof. Erik Then-Bergh und schloss 1980 sein Staatsexamen mit Auszeichnung ab. Ein Stipendium führte ihn 1986 an die Cité Internationale des Arts in Paris.

Nach seinem Examen begann er eine rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland.

Beispielsweise konzertierte er als Solist in Paris, Menton, Montpellier, Berlin, beim Kissinger Sommer, bei den Richard-Strauss-Tagen in Garmisch und beim Kodály-Festival in Ungarn, fünfmal war er auf Konzerttournee in Südafrika sowie kurzfristig auch in Toronto (Kanada) und San Francisco (USA). Zahlreiche Rundfunk- und CD-Aufnahmen folgten. 

Einen bedeutsamen Auftritt hatte Eisinger beim Münchner Klaviersommer 1990 mit Schumanns Carnaval in der Philharmonie München (den zweiten Teil dieses Konzertabends gestaltete Friedrich Gulda). Es folgte sein Debüt in der Berliner Philharmonie mit Mendelssohns g-Moll-Konzert und Klavierabende in etlichen europäischen Hauptstädten.

Zu publikumswirksamen Erfolgen wurden Eisingers Gesprächskonzerte, in denen er einführende Erläuterungen mit Musikbeispielen gibt. Speziell bei komplexeren Werken, wie Bachs Goldberg-Variationen, Beethovens Diabelli-Variationen oder einem Zyklus mit dessen 32 Klaviersonaten gelingt es Eisinger, seine Hörer tiefer (und damit genussreicher) in das jeweilige Werk einzuführen.

Eine weitere Palette seiner Vielseitigkeit stellen die Einführungsvorträge zu den Bühnenwerken Richard Wagners dar – ungewöhnlich für einen Pianisten. Von 2002 bis 2008 hielt er für die Bayreuther Festspiele Einführungsvorträge in Form von Klavier-Matineen zu sämtlichen Opern Richard Wagners. Diese Einführungen gibt es in der Zwischenzeit auch auf CD. 

Neben seinen solistischen Aktivitäten engagierte sich Eisinger ebenso gerne als Kammermusiker und Liedbegleiter, auch von Größen ihres Fachs, wie z. B. Hermann Prey und Kieth Engen. Mit der Geigerin Franziska Pietsch entwickelte sich seit 2012 eine intensive Zusammenarbeit, die zu erfolgreichen Konzerten und Aufnahmen führte. Die erste gemeinsame CD mit Werken von Mozart, Beethoven und Brahms erschien 2014 beim Label Musicom.

Als das renommierte Label audite 2015 und 2016 CDs vorlegte, machten diese gleich Furore:

Das Duo Pietsch-Eisinger spielte sämtliche Werke für Violine und Klavier von Grieg und Prokofjew ein.  Beide Einspielungen wurden für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert.

Die dritte CD mit Werken von Szymanowski und Franck ist bereits erschienen. Kürzlich wurde diese Aufnahme von der Musikzeitschrift „Pizzicato“ mit dem „Supersonic“-Preis ausgezeichnet.

Aktuell arbeitet Detlev Eisinger an einer kommentierten Gesamteinspielung der 32 Klaviersonaten Beethovens.

Detlev Eisinger • Dorfstrasse 2 • D-82436 Tauting • Germany Fon 0049/(0)8847/898

info@detlev-eisinger.de • www.detlev-eisinger.de

 

 Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)

Symphonie Nr. 6 in F-Dur  op. 68 „Pastorale“ (1808, Wien)

Am 22. Dezember 1808 wurden in einem vierstündigen Konzert im Theater an der Wien mehrere Werke Beethovens uraufgeführt, die Symphonie Nr. 5, genannt die "Schicksalssymphonie", die Symphonie Nr. 6, genannt die "Pastorale", das 4. Klavierkonzert und Teile der Missa solemnis. Vor allem die Symphonien gehören zu den populärsten Werken der klassischen Musik und wurden gleichzeitig komponiert.

Jeder Klassikliebhaber kennt das Pochmotiv im ersten Satz der 5. Symphonie mit dem überlieferten Ausspruch des damals 38-jährigen Beethoven: "So pocht das Schicksal an die Pforte." Jeder kennt auch sein Schicksal: Beethoven war bereits als 28-jähriger schwerhörig. 

1801 schrieb er in einem Brief an einen Freund: "Der neidische Dämon hat meiner Gesundheit einen schlimmen Streich gespielt, nämlich mein Gehör ist seit drei Jahren immer schwächer geworden." Aus dem weiteren Brieftext diagnostizieren Ärzte heute Schwerhörigkeit, Tinnitus, Hochtonverlust, Sprachverständlichkeitsverlust und abnorme Feinhörigkeit. Zu der letzteren, der sog. Hyperakusis, schreibt er: "Sobald jemand schreit, ist es mir unausstehlich."

Gerade die Lärmempfindlichkeit hat dem Musiker Beethoven zugesetzt. Klar, in einer Stadt mit Kopfsteinpflaster, eisenbereiften Fuhrwerken und lauten Pferdehufen. 35 Mal ist er in seinen 35 Wiener Jahren umgezogen, um eine ruhigere Wohnung zu finden.

Zeigt Beethoven in der Fünften kämpferisches Ringen, Unterliegen und Obsiegen im Kampf gegen das Schicksal, so stehen in der Sechsten die Idylle, Harmonie und Frieden im Vordergrund. Ein Widerspruch? Zwei Seelen in einer Brust? Der Schlüssel zum Verständnis der "Pastorale" kann in folgendem Ereignis gefunden werden:

1802 suchte Beethoven auf Empfehlung seines damaligen Arztes die mineralhaltige Quelle der Badeanstalt in Heiligenstadt bei Wien zu einer Kur auf. Er wohnte in einem freistehenden Bauernhaus und verfasste ein Testament für seine zwei Brüder, das sog. "Heiligenstädter Testament". Darin klagte er: "Welche Demütigung, wenn jemand neben mir von weitem eine Flöte spielen oder den Hirten singen hörte, und ich nichts hörte! Es fehlte wenig, und ich endigte selbst mein Leben - nur die Kunst, sie hielt mich zurück."

Ist es allzu abwegig zu denken, dass er sich bei der "Pastorale" an die Schäferidylle von Heiligenstadt erinnerte? Und in Skizzen notierte er, dass die Sinfonie Ausdruck von Empfindungen, keine Naturmalerei sei. So ist es legitim, wohl seinen Empfindungen nachzuspüren.

Im ersten Satz lässt er eine beschauliche Hirtenmelodie über einer Dudelsackquinte erklingen. Ruhe und Stille und Heiterkeit kommen auf. Beethoven war ein großer Naturliebhaber, auch im Sinne Rousseaus Aufruf "Zurück zur Natur!". Doch nach der Bachszene und dem lustigen Zusammensein der Landleute kommt ein Sturm auf, und es blitzt und donnert. Da sind sie wieder, die schmerzhaften Empfindungen im Gehör! Nach dem Sturm im letzten Satz vernimmt er wieder Hirtengesang, und er, der Komponist der Missa solemnis, dankt Gott.

Am 24. März 1827 tobte nachmittags ein Gewitter über Wien - und Beethoven starb.

 

Texte: Richard Bittner

 

 

 

 

                                                    

Powered by CMSimple | Template: ge-webdesign.de | Login